Spandauer Geschichte - AG Altstadt

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Spandauer Geschichte

Geschichte
Die Spandauer Geschichte

Hinweise auf die Anwesenheit von Menschen im Spandauer Raum schon vor dem Beginn der letzten Eiszeit geben Steingeräte und Knochen, die in Spandauer Kiesgruben gefunden wurden. Durch diese wissen wir, dass vor etwa 60.000 Jahren ausser dem Menschen auch Mammute, Rentiere, wollhaarige Nashörner und Riesenhirsche in unserer Gegend lebten. Bald nach dem Ende der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren wurde das Havelland wieder von Menschen besiedelt.
Bis zur Völkerwanderung lebten hier germanische Stämme, die Semnonen und Burgunden, die nach und nach abwanderten. Die von Osten und Süden nachfolgenden slawischen Stämme ließen sich in dem frei gewordenen
Siedlungsraum nieder.
Etwa seit dem 6. Jh. n. Chr. war das Havelland von den Hevellern und Sprewanen besiedelt, die zu dem slawischen Großstamm Wilzen gehörten, wobei die Archäologen von der Anwesenheit von Resten germanischer Bevölkerung in
unserem Gebiet ausgehen. Slawen legten ihre Siedlungen und Burgwälle in der Nähe von Wasserläufen an.
Die Umgebung der heutigen Spandauer Altstadt war seinerzeit das weitverzweigte Mündungsdelta der Spree mit unzähligen Flussarmen und sumpfigen Niederungen. Es reichte etwa von der heutigen Spreemündung bis zum Grimnitzsee.
Vermutlich schon im 7. Jh., spätestens aber im 8. Jh., ließen sich auf einer kleinen von zwei Havelarmen umflossenen Talsandinsel etwa 2 km südlich der heutigen Altstadt gegenüber einer heute verlandeten Spreemündung slawische
Bauern nieder. Es ist die älteste bekannte slawische Ansiedlung im Spandauer Raum.
Ab dem 8. Jh. wurde die Anlage befestigt. Hochwertige Bodenfunde lassen darauf schließen, dass der Burgwall ab dem 10. Jh. in den Händen von Hevellerfürsten war. Ebenfalls fand man Spuren, die auf eine Brandkatastrophe in jener Zeit schließen lassen. Es wird vermutet, dass die Zerstörung des Burgwalls mit der Unterwerfung des Havellandes durch den deutschen König Heinrich I. im Jahr 940 in Verbindung zu bringen ist. Der Feldzug des Königs gegen die Heveller wurde seinerzeit von dem Mönch Widukind von Corvey dokumentiert.
Der bis zum 12. Jh. mehrmalige Wiederaufbau des Burgwalls lässt die Vermutung zu, dass er ein strategisch wichtiger Siedlungs- und Handelsplatz war, der eine bedeutende Handelsstraße sicherte, die hier einen günstigen Havelübergang
überquerte. Heute ist von der Slawenburg nichts mehr wahrzunehmen. Nur der Name einer Seitenstraße am
nördlichen Ende der Pichelsdorfer Straße, die zu der alten Siedlungsstelle führt, “Spandauer Burgwall”, erinnert an sie.
Nördlich der heutigen Spandauer Altstadt befand sich bis zum 12. Jh. ebenfalls eine befestigte slawische Anlage, nämlich an der Stelle der Zitadelle. Sie war wie der Burgwall auf einer Talsandinsel errichtet, die wohl damals noch eine schmale Landverbindung mit dem Behnitz hatte und mit diesem einen zusammenhängenden Siedlungskomplex bildete.
Mit dem Havelland waren auch die alte Slawenburg auf dem Burgwall und die slawische Befestigung am Behnitz in askanische Hände gekommen. Albrecht der Bär erkannte wohl deren strategische Bedeutung. Er ließ den Burgwall
unversehrt, baute ihn nach der Art einer frühdeutschen Burg aus und ließ ihn mit einem flachen Turmhügel versehen.
Die slawische Anlage am Behnitz wurde ebenfalls ausgebaut, wobei die bestehende Befestigung in die neue Burg einbezogen wurde. Auch hier diente die Burg der Sicherung eines an ihr vorbeiführenden bedeutenden Handelsweges, der die Havel zum Stresow überquerte. Bereits 1161 und 1168 wird er in Urkunden als “strata publica” erwähnt.
Eine deutsche Kaufmannssiedlung, die sich etwa ab 1170 im Bereich der St. Nikolaikirche entwickelte, stand sicher in engem Zusammenhang mit der erwähnten Fernhandelsstraße.
Es gibt Vermutungen, dass sich hier bereits in voraskanischer Zeit eine Handelsniederlassung befand. Einen Hinweis darauf geben Fundamente eines wahrscheinlich sakralen Gebäudes, die man bei archäologischen Grabungen im
Innersten der Kirche fand. Sie werden in die Zeit zwischen 960 und 983 datiert. Es handelte sich hierbei vermutlich um einen Vorgängerbau der heute bestehenden Kirche.
Welche Gründe es hatte, dass der Burgwall von seinen Bewohnern aufgegeben wurde und diese sich ab etwa 1170 in der Nähe der Kaufmannssiedlung an der St. Nikolaikirche niederließen, kann nur vermutet werden. Zum einen war es wohl der steigende Wasserstand der Havel, der auf dem Burgwall immer wieder zu Überschwemmungen führte, politische und wirtschaftliche Aspekte werden die anderen gewesen sein. Es wird davon ausgegangen, dass der Ortsname Spandau vom Burgwall auf die neue Siedlung übertragen wurde.
Die Kaufmannssiedlung ist um 1200 von einem Brand zerstört worden. Am Reformationsplatz wurden aus dieser Zeit Bestattungen gefunden, die deutliche Spuren gewaltsamer Tötung aufwiesen. Sowohl Männer als auch Frauen und Kinder sind offenbar einem Massaker zum Opfer gefallen. Die askanischen Markgrafen führten im Havelland die sogenannte Vogteiverfassung ein. Ein größerer Landbezirk bildete eine Vogtei, in der ein Vogt im Auftrag des
Landesherrn dessen Rechte wahrnahm.
In einer Urkunde von 1197 des Markgrafen Otto II., der darin Schenkungen bestätigt, wird u.a. als Zeuge ein “everardus advocatus in spandowe” benannt. Es ist die älteste urkundliche Überlieferung des Namen Spandau.
Mit der Bezeichnung advocatus  ist hier ein Vogt, also ein hoher Beamter gemeint, dessen Amtssitz für gewöhnlich eine Burg war. Es wird angenommen, dass es sich hierbei um die bereits erwähnte an der Stelle der heutigen Zitadelle handelt.
Aus dem Jahr 1232 ist eine Urkunde überliefert, mit der die Markgrafen Johann I. und Otto III., Enkel Albrecht des Bären, die in Eintracht zwischen 1231 bis 1267 in der Mark regierten, in ihrer “civitas spandowe” u.a. Rechts- und Besitzverhältnisse regeln. Sie wird als Stadtgründungsurkunde Spandaus angesehen. Mit der Urkunde wird der Stadt u.a. erlaubt, auf eigene Kosten eine Flutrinne anzulegen, wofür ihr Zollfreiheit gewährt wurde. Diese Flutrinne ist wahrscheinlich der Haveldurchstich an der Schleuse. zu diesem Zeitpunkt war Spandau mit Sicherheit schon ein
florierender Handelsplatz. In der Urkunde werden ein bereits bestehender Markt und ein Kaufhaus erwähnt. Im Jahr 1239 wurde von den Markgrafen das Benediktinerinnen-Nonnenkloster St. Marien gestiftet. Die genaue Lage des Klosters ist nicht bekannt. Es soll südlich der heutigen Bahntrasse zwischen der Klosterstraße und der Havel gelegen haben. Und zwar in der Nachbarschaft des schon 1232 errichteten Heilig-Geist-Hospitals.
Ein Aussätzigenhaus, dessen Entstehungszeit nicht bekannt ist und das über eine
eigene Kapelle verfügte, lag dem Kloster gegenüber. Beide Spitäler sowie das Kloster fielen im 17. Jh. dem Bau der Befestigungsanlagen zum Opfer.
Grabungsergebnissen zufolge muss um das Jahr 1240 eine Brandkatastrophe die Stadt und die St. Nikolaikirche vernichtet haben. Vermutlich deswegen wurden von den Markgrafen für acht Jahre die Steuern ausgesetzt. Sicherlich um die Stadt zu stärken, wurde ihr der Behnitz übereignet. In der entsprechenden Urkunde erscheint er “als Stelle, die Bens heißt”.
Beim Wiederaufbau verlagerte man das Stadtgebiet zunächst in den Bereich etwa zwischen der Mönchstraße und der Mauerstraße einerseits und der Jüdenstraße und der Fischerstraße andererseits. Die planmäßige Anlage wurde mit einer
Palisadenbefestigung und einem vorgelagerten Graben umgeben. Warum das Gebiet der Kaufmannssiedlung mit der St. Nikolaikirche nicht in die Umwallung einbezogen wurde, ist nicht gänzlich geklärt.
1319 wurde mit dem Bau einer steinernen Stadtmauer begonnen, die den Behnitz einbezog. Grundriss und Umriss der Stadt waren weitestgehend festgelegt, so wie sie sich bis heute im Wesentlichen mit der Altstadt erhalten haben. 1348
wurden vier Stadttore erwähnt: das Klostertor am südlichen Ende der heutigen Carl-Schurz-Straße, das Heidetor am nördlichen Ende, das Mühlentor auf dem Behnitz und das Teltower, später Stresowtor, an der heutigen Charlottenbrücke.
Unter den unsicheren Verhältnissen des 14. Jh. litt auch Spandau. Kämpfe um die Landesherrschaft, Pestepidemien und das Raubrittertum waren schwere Belastungen. Unter den Räubereien der Quitzows hatte Spandau 1400 so stark zu leiden, dass Markgraf Jobst die Stadt für ein Jahr von der Steuer befreite.
Die der Stadt Spandau wohl ursprünglich zugedachte Stellung als wichtiger Handelsmittelpunkt musste sie bereits im 13. Jh. an Berlin abtreten. Dennoch konnte sich Spandau behaupten, besonders als ein auf das östliche Havelland ausgerichteter Wirtschaftsstandort.
Bedeutende Geschäfte machte die Stadt mit der Herstellung von Ziegeln. Die Erde dafür wurde von den Glindower Bergen und von der Teltower Heide bei Ruhleben geholt. Der Ratsziegelhof lag vor dem Klostertor an der Havel. Das Spandauer Bier war ein weiterer Wirtschaftsartikel, der bis Breslau und Hamburg verkauft wurde. Das Braurecht hatten etliche Häuser in der Stadt, die sogenannten Freihäuser, die auch einige andere Privilegien genossen. Auch Weinbau wurde in der Umgebung Spandaus betrieben. Zahlreiche Klöster und Kirchen in der Mark wurden mit Spandauer Wein versorgt. Die Hauptversorgung der Bürger ergab sich aus dem Ackerbau, reiche Ernten an Getreide ermöglichten auch damit einen schwunghaften Handel.
In dieser Zeit entstand in der Stadt eine rege Bautätigkeit. 1435 ließ der Rat mit hohem finanziellen Aufwand das Kaufhaus und die Schenke, vermutlich den Ratskeller, neu errichten. Der Baumeister aus Berlin erhielt ganz bestimmte Anweisungen: “den Gevel von der Lovinghe schall he muren mat gesunde unde glasureden stenen”. Auch der Neubau der St. Nikolaikirche wurde begonnen, die 1467 nach Aussagen der Chronisten den höchsten Turm in der Mark
Brandenburg erhielt.
1510 wurden die Juden aus der Mark vertrieben, ihre Friedhöfe und Gotteshäuser zerstört. Was wurde zum Anlass genommen? Ein in Spandau ansässiger Jude hatte eine von dem Bernauer Kesselflicker Fromm gestohlene Hostie gekauft und weiterverkauft. Unter Folter wurden von Fromm und 38 Juden Geständnisse erpresst, die zur Verurteilung führten. Zwei Juden, die noch zum Christentum übertraten, wurden enthauptet, die anderen auf dem Neuen
Markt in Berlin verbrannt. Die Vermögen der aus Spandau vertriebenen Juden wurden von der Stadtkasse vereinnahmt.
In die Regierungszeit des Kurfürsten Joachim I. fiel der Thesenanschlag Luthers in Wittenberg, der zunächst für Spandau keine Bedeutung hatte. Offenbar setzte sich die Bevölkerung der Stadt später intensiv mit dem religiösen Geschehen auseinander. Aus dem Jahre 1594 wird von sogenannten Wundererscheinungen berichtet, die 34 Bewohner gehabt hätten. So sollen ihnen Engel erschienen sein, die zu Buße und Umkehr mahnten, aber auch von Teufeln ist die Rede. Graf Rochus zu Lynar wandte sich wegen der Ereignisse an Berliner Theologen, die Erscheinungen auf Besessenheit zurückführten.
1560 wurde während der Regierungszeit des Kurfürsten Joachim II. mit dem Umbau des Schlosses Spandau zur Festung begonnen. Der Bau wurde 1594 von dem italienischen Baumeister Graf Rochus zu Lynar fertiggestellt. Ab 1626/27 wurde Spandau mit Festungswällen und -gräben umgeben, denen viele Gebäude vor den Toren der Stadt zum Opfer fielen. Von nun an war das Schicksal Spandaus als Festungs- und Militärstadt für Jahrhunderte festgelegt.

Copyright Arbeitsgemeinschaft Altstadt Spandau e.V.
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